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Ägyptologie im Exil
Eine bisher unbeachtete Quellensammlung |
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Der Tradition des Hauses Hohenzollern verpflichtet, unterstützte und förderte Wilhelm II. während seiner Regentschaft die antiken Wissenschaften auf vielfältige Weise (die Ägyptologie verdankt ihm unter anderem die Etablierung des "Wörterbuchs der Ägyptischen Sprache" vor genau 100 Jahren an der Preußischen Akademie der Wissenschaften).
Für die an Wissenschaftsgeschichte interessierten Ägyptologen dürfte die 1936 veröffentlichte Broschüre "Vergleichende Zeittafeln der Vor- und Frühgeschichte Ägyptens und der Mittelmeerländer" von besonderem Reiz sein, weniger wegen ihres Inhalts, sondern weil sich in den Dossiers 305 bis 307 die gesamte Gelehrtenkorrespondenz zu dieser Publikation erhalten hat. Hier finden sich neben Briefen vieler anderer deutscher Altertumswissenschaftler dieser Zeit unter anderem Briefe von Heinrich Schäfer und Alexander Scharff mit zum Teil ausführlichen Darlegungen zu Fragen der ägyptologischen Chronologie. Im Dossier 267 liegen mehrere Briefe von Friedrich Wilhelm von Bissing an den Ex-Kaiser, die - wie aus handschriftlichen Vermerken auf den Briefen hervorgeht - Wilhelm II. auch vorgelesen wurden, sowie ein Sonderdruck von Hermann Kees mit eigenhändiger Widmung des Autors. Erwähnenswert ist auch die ausführliche Korrespondenz des Ethnologen Leo Frobenius mit dem Ex-Kaiser, die über einen rein wissenschaftlichen Rahmen weit hinausgeht. Das Interesse von Wilhelm II. an den Reisen und Forschungen des großen Gelehrten zeigt sich auch darin, daß Frobenius persönlich nach Holland eingeladen wurde, um im Rahmen der "Doorner Arbeitsgemeinschaft" über seine Entdeckungen zu berichten.
![]() Über 600 Dossiers in nur vier Stunden durchzusehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß in anderen Ordnern noch weitere Briefe aufbewahrt sind, die wir übersehen haben. Umwerfende neue Erkenntnisse zur Geschichte insbesondere der deutschsprachigen Ägyptologie sind aus dem Archiv des Ex-Kaisers Wilhelm II. sicher nicht zu erwarten. Eine Sichtung der Materialien dürfte sich aus ägyptologischer Sicht aber dennoch lohnen, werfen sie doch einen Blick auf den Wissensstand vor 60 Jahren und auf die Geisteshaltung einiger "Großen" unseres Faches.
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| Jochen Hallof Dresden, Deutschland | Hans van den Berg Hilversum, Niederlande |